Willy Brandt

 

 

 

 

Infos

Unweit des Brandenburger Tores hat das Forum Willy Brandt Berlin wieder seine Pforten geöffnet. Zweieinhalb Jahre nach ihrem Umzug vom Rathaus Schöneberg in die Mitte Berlins präsentiert die Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung eine neu konzipierte und moderne Dauerausstellung übet den ehemaligen Regierenden Bürgermeister, deutschen Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, der vor zwanzig Jahren starb und dessen einhundertster Geburtstag am 18. Dezember 2013 gefeiert wird.

Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung

Dauerausstellung


Forum Willy Brandt Berlin
Unter den Linden 62-68
10117 Berlin

Öffnungszeiten
Di-So 10–18 Uhr

 

Eintritt
frei

Unser Angebot zur Ausstellung

 

 

 

Beschreibung der Ausstellung

 

Aufbau der Ausstellung

In fünf modularen Abschnitten zeichnet die Ausstellung den Weg Willy Brandts nach und vermittelt die prägenden Elemente seines politischen Denkens und Handelns:

• Jugend in Lübeck und Exil in Skandinavien 1913-1947
• Politik im geteilten Berlin 1947-1966
• Regieren in Bonn 1966-1974
• Staatsmann ohne Staatsamt 1974 – 1992
• Überzeugter Europäer und deutscher Patriot 1974 - 1992


Eingebettet in den historischen Kontext zeigt die Ausstellung auf allgemein verständliche Weise, wie aus dem Lübecker Arbeiterjungen und Nazi-Gegner der Bürgermeister von West-Berlin, der erste sozialdemokratische Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und schließlich der weltweit hoch angesehene „Elder Statesman“ geworden ist und was ihn politisch antrieb. Dabei werden auch die wichtigsten Aspekte seines Privat- und Familienlebens nicht außer Acht gelassen, Ausstellungsarchitektur Der Ausstellungsraum ist räumlich klar gegliedert. Die freistehenden, modular aufgebauten Möbel machen die Ausstellung für die Besucher intuitiv erfahrbar. Jeder Abschnitt ist aus einer Kombination von Wand- und Präsentationsmodulen zusammengesetzt. Die Wandmodule sind dabei Träger von Text und Bild Informationen, ihre Oberfläche ist mit einer Materialität und Farbigkeit belegt, die die Exponate in die Atmosphäre ihrer Zeit einbindet Die Präsentationsmodule beinhalten Vitrinen mit Objekten. Zusätzliche Exponatschuber bieten Platz für vertiefende Informationen. Um der Person Willy Brandt so viel Raum wie möglich zu geben, halt sich die Ausstellung mit baulichen Inszenierungen zurück. Allerdings nutzt sie die über sechs Meter hohe, die gesamte Breite des Gebäudes umfassende Glasfassade des Forums am Boulevard Unter den Linden als riesiges »Schaufenster", das Einblicke in die Ausstellung und Ausblicke in den Stadtraum er möglicht. Die Außenwirkung der Glasfassade wird durch drei hinterleuchtete Großfotos verstärkt m deren Mitte die Aufnahme von Brandts Kniefall in Warschau 1970 steht. Diese Leuchtfotos verleihen der Ausstellung bei Tag und Nacht eine Präsenz im Stadtbild.

Exponate und Multimedia

Die Ausstellungsbesucher erwartet eine Vielzahl von eindrucksvollen Objekten, Dokumenten, Bildern sowie originalen Film und Tonaufnahmen. Die Exponate veranschaulichen nicht nur das außergewöhnliche Politikerleben Willy Brandts und sein historisches (Nach-)Wirken. Sie spiegeln zugleich auch die spannungsgeladene und wechselvolle Geschichte Deutschlands, Europas und der Welt im 20. Jahrhundert wider, die durch den biografischen Ansatz der Ausstellung leichter zugänglich wird. Fotografien bilden einen großen Bestandteil der Exponate. Daneben gibt es viele schriftliche Ausstellungsobjekte. Zu den interessantesten zählt die Karteikarte, die 1938 von der Gestapo über Brandt und dessen Widerstandsaktivitäten angelegt worden ist Dieses einzigartige Dokument wurde erst jetzt im Bundesarchiv in Berlin gefunden. Weitere Highlights unter den Schriftstücken sind das Abiturzeugnis 1932, die Wiedereinbürgerungsurkunde 1948, der Briefwechsel mit John F. Kennedy zum Mauerbau 1961, das Manuskript der ersten Regierungserklärung 1969, die Nobelpreisurkunde 1971 sowie ein Brief an Michail Gorbatschow zum Mauerfall 1989. Medienstationen mit mehr als einer Stunde originalem Film- und Tonmaterial ergänzen die Präsentation und machen den Ausnahmepolitiker vor allem durch seine markante und unverwechselbare Stimme lebendig. Willy Brandts spezieller »Sound« hat sich im Verlauf seines Politikerlebens herausgebildet. Die Besucher können seine rhetorische Entwicklung gut mitverfolgen, z.B. den noch starken norddeutschen Akzent Ende der 1940er-Jahre, den harten und leidenschaftlichen Ton des Kalten Krieges in der Zeit des Mauerbaus 1961, die Aufbruch signalisierende Regierungserklärung 1969, die illusionslose Ansprache zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages 1970 oder die emotional bewegten und bewegenden Worte zum Fall der Mauer 1989. Das umfangreiche audiovisuelle Angebot beinhaltet auch erläuternde Hörtexte. Es kann von den Besuchern individuell mittels einer RFID-Karte abgerufen werden. An den Medienstationen können sie nicht nur vertiefende Informationen erhalten, sondern auch selbst aktiv werden und mit einem Quiz ihr Wissen über Willy Brandt und seine Zeit testen. Wie alle Ausstellungstexte an den Modulwänden und in den Vitrinen werden auch die audiovisuellen Inhalte in Deutsch und Englisch präsentiert. Die Ausstellung ist damit auch für das internationale Publikum gut gerüstet, dessen Anteil aufgrund der Lage des Forums hoch sein dürfte. Verschiedene inhaltliche Ebenen erlauben Ausstellungsrundgänge unterschiedlicher Tiefe und zeitlicher Dauer, sodass sowohl die Ansprüche der zeitgeschichtlich besonders interessierten Besucher, die gezielt in die Ausstellung gehen, als auch die Bedürfnisse der spontan und unvorbereitet kommenden Gäste erfüllt werden können. Das Willy-Brandt-Bild Die Ausstellung widmet sich insbesondere auch den verschiedenen Willy-Brandt-Bildern in Vergangenheit und Gegenwart, die von hasserfüllter Ablehnung durch rechtsextreme Gegner bis zu überschwänglicher Verehrung durch seine politischen Anhänger reichen. Schon von außen sind unterschiedliche Urteile über Willy Brandt zu lesen, die auf der Glasfassade aufgebracht sind. Innen kann man in einer Presseecke zeitgenössische Zeitungsartikel aus dem In- und Ausland über Brandt nachlesen und sich über die jeweilige Rezeption seiner Person und Politik informieren. Zudem ist im Bereich des Museumsshops eine kleine Auswahl künstlerischer Arbeiten über Willy Brandt zu sehen, die u.a. von Rainer Fetting, Georg Meistermann und Ralph Ueltzhoeffer geschaffen wurden. Auch auf diese Weise lädt die Ausstellung die Besucher dazu ein, sich selbst ein Bild von Willy Brandt und seinem Politikerleben zu machen.


Dr. Wolfgang Schmidt Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung