Ausstellung zur Rolle der Polizei im NS-Staat

 

Infos

Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat. Eine Ausstellung der Deutschen Hochschule der Polizei und des Deutschen Historischen Museums.


Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat

01. April bis 31. Juli 2011


Deutsches Historisches Museum
Ausstellungshalle von I. M. Pei 
Hinter dem Gießhaus 3
10117 Berlin

Öffnungszeiten
Mo-So 10–18 Uhr

 

Eintritt
€ 6,– (Tageskarte für alle Ausstellungen)

Unser Angebot zur Ausstellung

Link zur Ausstellung

Beschreibung der Ausstellung

Die Polizei war ein zentrales Herrschaftsinstrument des nationalsozialistischen Regimes. Von ihren Anfängen bis zu ihrem Untergang konnte sich die Diktatur auf die Polizei stützen. Die Ausstellung zeigt, dass nicht nur Gestapo, sondern auch Kriminalpolizei und uniformierte Schutzpolizei die politischen und weltanschaulichen Gegner des NS-Staats verfolgten, zunächst im Innern des Deutschen Reiches und ab Kriegsbeginn 1939 auch in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten. Alle Sparten der Polizei waren am nationalsozialistischen Völkermord beteiligt, an der Unterdrückung des Widerstands gegen das deutsche Besatzungsregime und an der Verschleppung von Zivilisten zur Zwangsarbeit. Diese Verbrechen verübten Polizisten, die mehr­heitlich in der Weimarer Republik, einem demokratischen Rechtsstaat, ausgebildet worden waren. Nur wenige von ihnen mussten sich für ihre Taten nach 1945 vor Gericht verantworten. Viele konnten in der Bundesrepublik ihre Karrieren im Polizeidienst fortsetzen.

Die Ausstellung präsentiert in sieben Kapiteln mehr als 500 Objekte zur Geschichte der Polizei im NS-Staat. Der Rundgang beginnt mit der Weimarer Republik, die von der Polizei nur widerwillig gegen die Angriffe politischer Extremisten verteidigt wurde. Die antirepublikanische Einstellung, die viele Offiziere hegten, konnte auch durch die Reformen in der Zeit der relativen politischen und wirtschaftlichen Stabilität zwischen 1924 und 1928 nicht überwunden werden (…).

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Verbrechen der Polizei in den besetzten Gebieten ab 1939. Alle Sparten der Polizei waren von der Erfassung über die Deportation bis zur Ermordung der Opfer direkt am nationalsozialistischen Völkermord an den Juden und den Sinti und Roma beteiligt. In Polen zwang die Sicherheitspolizei die Juden, in Ghettos zu leben, die ab Frühjahr 1941 schrittweise von Polizei- und SS-Verbänden liquidiert wurden. Die Gestapo plante und koordinierte die Deportation der Juden in die Vernichtungslager, die Kriminalpolizei die der Sinti und Roma. Das Wachpersonal für die Deportationszüge stellte die Ordnungspolizei (…).

Die Ausstellung endet nicht mit der Kapitulation des nationalsozialistischen Regimes, sondern thematisiert den Wiederaufbau der Polizei in den beiden deutschen Staaten und die Versuche der strafrechtlichen Aufarbeitung der NS Verbrechen. An einer Aufklärung der eigenen Vergangenheit zeigte die Polizei in der Bundesrepublik lange Zeit kein Interesse. In der DDR verhinderte der verordnete Antifaschismus eine vorbehaltlose Auseinandersetzung mit den Polizeiverbrechen (…).

(Quelle: Andreas Mix, „Ordnung und Vernichtung. Die Polizei im NS Staat“, Museums Journal 2/2011)